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Forschungsverbund DJI

Nutzen

Für die Zweckbestimmung der Erhebung, deren Notwendigkeit sich aus § 1 BStatG ergibt, werden in Anlehnung an andere Sozialgesetze in § 98 SGB VIII zwei explizite Ziele genannt: Die Beurteilung der Auswirkungen der Bestimmungen des SGB VIII sowie deren Fortentwicklung.

Zur Beurteilung der Auswirkungen der Bestimmungen bedeutet konkret, dass anhand der empirisch gewonnen Daten Aussagen dazu gemacht werden können, wie sich einzelne gesetzlich geregelte Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe entwickeln bzw. aktuell darstellen. Hierbei reicht die mögliche Palette der Aussagen von der Anzahl der verfügbaren Plätze für 3-bis 6-Jährige in Kindertageseinrichtungen zur Beurteilung der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz über Aussagen zur Umsetzung von ambulanten Erziehungshilfen bis hin zu differenzierten Aussagen zu den öffentlichen Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe nach einzelnen Leistungsbereichen.

Dabei beschränken sich die möglichen Aussagen nicht nur auf die Anzahl der geleisteten Hilfen, sondern es können insbesondere auch bei den Erziehungshilfen differenzierte Aussagen zu den Hilfeempfängern, zu ihrer Lebenssituation und zur Durchführung der Hilfe gemacht werden. Damit weitet sich das Spektrum der Beurteilung auch deutlich auf inhaltliche Fragestellungen aus. So kann beispielsweise beurteilt werden, in welchem Alter die jungen Menschen in einem Heim untergebracht werden, aus welchen Lebenssituationen sie kommen und - beim Ende der Hilfe - in welchem Umfang sie zu ihren Eltern zurückkehren und in welchem Umfang weiterhin begleitende Hilfen gewährt werden.

Bezogen auf den Zweck der Fortentwicklung des SGB VIII sind mit der Nutzung der Erhebungsergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik bestimmte Schwierigkeiten verbunden. Da die amtliche Statistik nicht mit offenen Fragen arbeitet, wodurch neue Formen der Jugendhilfepraxis erfasst werden können, sondern nur mit vorgegebenen Antwortkategorien, die im Prinzip nur das wiedergeben können, was bereits vorhanden ist, kann die KJH-Statistik zwangsläufig im Sinne der Fortentwicklung nur dokumentieren, wenn bestimmte Leistungen, Angebote oder Maßnahmen erheblich geringer genutzt werden. Was sich stattdessen neu entwickelt, bleibt unberücksichtigt. Das heißt, die "Zweckbestimmung" des § 98 SGB VIII beschränkt die Nutzung der Statistik auf die Kontrolle der Umsetzung und Anregung zur Fortentwicklung des SGB VIII auf Bundes-, der Landes- und der kommunalen Ebene.[1]

Neben dieser eher engen Zweckbestimmung im Fachgesetz ergibt sich darüber hinaus aus dem allgemeinen Informationsauftrag der amtlichen Statistik (§ 1 BStatG), dass die Erhebungsergebnisse generell als Orientierungshilfe bei fachlichen und fachpolitischen Entscheidungen, als wirklichkeitsgetreue, zuverlässige und umfassende Informationsquelle über soziale Strukturen und Prozesse im Rahmen der Sozialberichterstattung und als Datengrundlage für Sekundäranalysen zum Erkenntnisgewinn im Kontext der wissenschaftlichen Forschung genutzt werden können.

Generell kann gesagt werden, dass überall dort, wo empirisch gewonnenes Zahlenmaterial benötigt wird, um für Dritte nachvollziehbare und überprüfbare Aussagen zu machen, die amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistiken verwendet werden können.[2] Allerdings ist der Umfang und Differenzierungsgrad der statistischen Erhebung nicht für alle Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe gleich.

Von der Jugendarbeit werden hauptsächlich die Ausgaben, die den öffentlichen Haushalten entstehen, erfasst. Außerdem stehen Informationen zu den Einrichtungen der Jugendarbeit zur Verfügung, und die Maßnahmen der Jugendarbeit - trotz eigener Statistik - werden nur zum Teil dokumentiert. Was in Jugendzentren oder im Rahmen der Jugendsozialarbeit geleistet wird, kommt nicht ins Blickfeld der Statistik. Weiterhin wird das gesamte ehrenamtliche Engagement ausgeblendet.[3]

Die Förderung der Erziehung in der Familie wird hauptsächlich unter Kostengesichtspunkten erfasst. Es liegen zwar Informationen zu einzelnen Einrichtungen und den darin tätigen Personen vor, allerdings gibt die Statistik weder Auskunft über die konkreten Hilfsangebote oder -maßnahmen, noch über die Hilfeempfänger.

Die Angebote der Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege wurden bis zum Jahr 2005 nur unter strukturellen und finanziellen Gesichtspunkten betrachtet. Diese Statistik wurde zwar deutlich dadurch verbessert, dass ab 1994 auch Informationen darüber bereitstehen, ob es sich bei den verfügbaren Plätzen um Ganztages-, Vormittags- oder Nachmittagsplätze handelt und für welche Altersgruppe die angebotenen Plätze bestimmt sind. Allerdings wurden keine Informationen darüber abgefragt, wie viele und welche Kinder die Tageseinrichtung bzw. die Kindertagespflege in Anspruch nehmen. Diese vielfältig geäußerte Kritik (vgl. auch 11. Kinder- und Jugendbericht, BMFSFJ 2002) führte dann dazu, dass in das Erhebungskonzept auch die Erfassung der Kinder in Tageseinrichtungen aufgenommen wurde. Gleichzeitig wurde die Periodizität erheblich verkürzt; ab 2006 wird die Erhebung jährlich zum 15. März bzw. ab 2009 am 1. März durchgeführt. Eine entscheidende Verbesserung stellt auch die Tatsache dar, dass ab dem Jahr 2006 jährlich Daten über die Kinder in Kindertagespflege sowie die Tagespflegepersonen, sofern diese mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, erhoben werden.

Die erzieherischen Hilfen sowie die Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche werden in der KJH-Statistik am umfangreichsten erfasst. Aufgrund der vielfältigen Entwicklungen und erhebungspragmatischer Schwierigkeiten wurde die Erhebung der Hilfen zur Erziehung, Eingliederungshilfe und Hilfen für junge Volljährige im Rahmen des KICK vollständig überarbeitet. Ab dem 1.1.2007 werden alle Hilfearten mit den gleichen Erhebungsmerkmalen erhoben. Das vorherige Verfahren, hilfeartspezifische Erhebungsbögen zu verwenden, hat sich in der Praxis als zu kompliziert und in der Auswertung zu aufwändig erwiesen. Außerdem war es nicht möglich, alle Erhebungsmerkmale im Vergleich der Hilfearten auszuwerten. Die umfangreichen Erhebungsmerkmale sind untergliedert nach Merkmalen, die sich auf die Hilfe, und solche, die sich auf den jungen Menschen, der diese Hilfe erhält, beziehen. Bei der Art des Trägers sind die Träger der freien Jugendhilfe einzeln anzugeben (z. B. der Paritätische). Dieses Merkmal dient dazu, dass auch gezielte Auswertungen für die einzelnen Träger erstellt werden können, wodurch der potenzielle Nutzerkreis der Statistik noch erhöht wird. Die Art der Hilfe richtet sich nach den Leistungsparagrafen. Neu aufgenommen wurden Hilfesettings bzw. -arrangements, die nicht den Merkmalen der Hilfen gemäß §§ 28 bis 35 SGB VIII entsprechen. Diese Hilfen werden als Hilfen gemäß § 27 Abs. 2 SGB VIII gewährt. Ebenfalls neu aufgenommen wurde die Eingliederungshilfen gemäß § 35 a SGB VIII. Durch die Integration in das Erhebungskonzept wird gewährleistet, dass der direkte Vergleich mit den Hilfen zur Erziehung durchgeführt werden kann. Neben der Dauer der Hilfe wird im neuen Erhebungskonzept jetzt auch die Intensität der Hilfe in Form der vereinbarten Betreuungsstunden pro Woche abgefragt. Eine weitere wichtige Neuerung ist, dass jetzt für alle Hilfearten die Gründe der Hilfegewährung nach einem einheitlichen Schema abgefragt werden. Im Rahmen der Fragen zur Lebenssituation des jungen Menschen wird nach belasteten Lebenslagen wie Sicherung der Existenz durch sozialstaatliche Leistungen gefragt. Ebenfalls von zentraler Bedeutung ist, dass nicht mehr nach der Nationalität, sondern nach dem Migrationshintergrund gefragt wird. Dieser wird durch zwei Merkmale operationalisiert: Einerseits durch die Frage, ob mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde, und andererseits, ob in der Familie vorrangig eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird.

Die Aufgabenvielfalt des Jugendamtes ist oft nur indirekt über die Arbeitsbereiche der tätigen Personen dokumentierbar, ebenso werden die finanziellen Aspekte dieser Ausgaben vielfach nur in Sammelkategorien zusammengefasst.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik ein umfangreiches und differenziertes Bild der Strukturen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe regelmäßig bereitstellt. Die aufgezeigten Lücken sind in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Konzeption der KJH-Statistik bisher wenig unter systematischen Gesichtspunkten erfolgte, sondern aufgrund aktueller fachpolitischer Fragestellungen Stück für Stück erweitert wurde.[4]


[1] Vgl. Fieseler/Schleicher/Schilling GK-SGB VIII § 98 Rn. 5 ff.

[2] Vgl. ausführlich Schilling 2003.

[3] Vgl. Thole 1997, 279 ff.

[4] Vgl. ausführlich zu Schwerpunkten und Lücken der Statistik Rauschenbach/Schilling 1997, 175 ff.; Schil­ling 2003, 191 ff.