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Forschungsverbund DJI

Ausgabe 2/2006 (Download als PDF)

Editorial

Die vorliegende Ausgabe von KomDat stellt die Frage nach den empirisch identifizierbaren Geschlechterdifferenzen in der Kinder- und Jugendhilfe in den Mittelpunkt. Die Ergebnisse der amtlichen Statistik sind verblüffend. Vergleicht man die aktuellen Befunde mit denen früherer Auswertungen, so sind Veränderungen allenfalls sporadisch auszumachen. Im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse kaum andere als vor 20 oder 30 Jahren.

Nach wie vor ist die Jugendhilfe ein Frauenberuf, mehr noch - sieht man einmal von den Kindertageseinrichtungen ab: Es ist ein Frauenberuf in Männerregie. Auch ist für erzieherische Hilfen, von Ausnahmen abgesehen, unverändert von einem männlichen Übergewicht auszugehen. Und schließlich - das sollte nicht übersehen werden - fehlen nach wie vor wichtige Daten zur Geschlechterverteilung bei den Adressat/-innen.

Wenn sich aber kaum Veränderungen abzeichnen: Warum dann ein solches Heft? Nur über die regelmäßige und präzise Beobachtung ist es möglich, qualifizierte Entscheidungen zu einer geschlechtergerechten Jugendhilfe zu treffen. Und zudem: Anlässe für nicht zufriedenstellende Geschlechterdifferenzen gibt es allemal.

Geschlechtergerechtigkeit in der Jugendhilfe?

Was erfasst die Statistik? Wie wird gemessen?   

Die Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik) ist eine eigenständige Datenquelle für die  Kinder- und Jugendhilfe. Sie leistet , so der Elfte Kinder- und Jugendbericht, einen zentralen Beitrag zur empirischen Dauerbeobachtung dieses gesellschaftlichen Teilbereichs (vgl. Deutscher Bundestag 2002). Dennoch ist zu fragen: Inwieweit sind die verschiedenen Erhebungen zu Strukturen, Leistungen und Adressaten/-innen in der Lage, Unterschiede zwischen den Geschlechtern gezielt in den Blick zu nehmen? Bei welchen Fragestellungen kann die KJH-Statistik dies nicht? Und vor allem: Wie bewertet man die statistischen Verteilungen auch angesichts des gesetzlichen Auftrags (§ 9, Abs. 3 SGB VIII), Geschlechtergerechtigkeit für die Jugendhilfe herzustellen?

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