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Forschungsverbund DJI

Ausgabe 2/1999 (Download als PDF)

Editorial


Alltäglich wird man in der Presse mit allgemeinen Tendenzen konfrontiert, die aus der Statistik abzulesen sind: Auf hohem Niveau stagnierende Arbeitslosenzahlen, sinkende Wahlbeteiligung, leicht ansteigende Inflationsrate, nahezu stagnierende Geburtenzahlen etc. Derartige Zahlen zeigen nur einen ersten Trend. Spätestens wenn man nach den Gründen für den Anstieg oder den Rückgang fragt, werden differenzierte Erklärungen notwendig. KomDat  greift dieses mal zwei Schwerpunktthemen auf, an denen die Differenz zwischen dem ersten und zweiten Blick sehr schön deutlich wird. Sowohl bei der Frage nach den Erziehungshilfen für Mädchen als auch bei der Kostenentwicklung zeigt sich, daß der erste Blick oft trügerisch ist. Erst die genaue und differenzierte Analyse der Daten eröffnet Erklärungsmuster, die im Endeffekt das Gesamtergebnis sogar aufheben können. Ein genaueres Hinsehen lohnt sich.

Mädchen ? benachteiligt in der Erziehungshilfe?

Mitte der 80er Jahre wurde im Rahmen des Sechsten Jugendberichts die These formuliert, daß von SozialarbeiterInnen Erziehungsschwierigkeiten von Mädchen und jungen Frauen zu wenig sensibel wahrgenommen werden (Blandow u.a. 1986). Wenn sich dann knapp 15 Jahre später zeigt, daß mehr Jungen als Mädchen AdressatInnen der Hilfen zur Erziehung sind: Was heißt das? Belegt dieser Befund, daß sich die Jugendhilfepraxis im Umgang mit den Geschlechtern in den 90er Jahren ähnlich verhält wie in den 70er und 80er Jahren? Oder daß Jungen einfach mehr Probleme haben bzw. machen als Mädchen? Was also, so bleibt zu fragen, wissen wir heute auf der Basis der Kinder- und Jugendhilfestatistik über Mädchen als Adressatinnen der Erziehungshilfe und welche ungeklärten Fragen tauchen dabei auf?   

Folgende zentrale Befunde werden in dem Beitrag behandelt:

    • Mehr Jungen als Mädchen in der Erziehungshilfe.

    • Erziehungshilfen im Umfeld des Jugendgerichtsgesetzes werden vor allem männlichen Jugendlichen gewährt.

    • Deutliche Geschlechterunterschiede in den Leistungsarten und in den Altersgruppen.

    • Sensibilität für Problemlagen der Mädchen steigt.

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