AKJ stat
Forschungsverbund DJI

Inobhutnahmen

Zwischen Hilfe und Kontrolle

Mit Inkrafttreten des SGB VIII hat sich die Kinder- und Jugendhilfe zumindest auf der rechtlichen Ebene zwischen Sozialpädagogik und Ordnungstätigkeit neu positioniert. Stand die Kinder- und Jugendhilfe noch in den 1980er-Jahren stärker unter dem Einfluss von Ordnungs- und Fürsorgepolitik, so ist mit dem SGB VIII eine Rechtsgrundlage geschaffen worden, die das sozialpädagogische Leistungsprofil der Kinder- und Jugendhilfe schärft. Gleichwohl ist auch die aktuelle Kinder- und Jugendhilfepraxis eine Gratwanderung zwischen Hilfe und Kontrolle, stehen doch im SGB VIII sozialpädagogische Leistungsangebote neben eingriffsorientierten Maßnahmen.

Zur letztgenannten Gruppe sind rechtssystematisch auch die in § 42 SGB VIII kodifizierten Inobhutnahmen zu zählen, gleichwohl die gesetzliche Zuordnung dieser Maßnahmen in der Ambivalenz von Leistungs- und Eingriffsaspekten nicht widerspruchsfrei ist. Denn Inobhutnahmen nach dem SGB VIII sind zum einen sozialpädagogische Hilfen in Krisen- und Gefahrensituationen - und somit eigentlich zu den Leistungstatbeständen des SGB VIII zu zählen -, wenn nach § 42 Abs. 2 SGB VIII dem Minderjährigen ein Rechtsanspruch auf eine vorläufige Unterbringung garantiert wird. Zum anderen allerdings stellen Inobhutnahmen auf der Basis des § 42 Abs. 3 SGB VIII typische Kriseninterventionen der Jugendhilfe mit einem eindeutigen Eingriffscharakter dar.

Diese Unterscheidung wird auch im Rahmen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik berücksichtigt, indem bei der Aufbereitung der erhobenen Daten zwischen der "Inobhutnahme auf eigenen Wunsch" und der "Inobhutnahme wegen Gefährdung" unterschieden wird. Seit 1995 werden in Deutschland mit Hilfe der KJH-Statistik jährlich Daten zu den Inobhutnahmen erhoben.

Analysen und Befunde (Auswahl)

Einzelbefunde

Seit 2005 erneuter Anstieg der Inobhutnahmen - knapp drei Viertel der Maßnahmen resultieren aus Gefährdungslagen

Mehr Inobhutnahmen bei Jugendlichen als bei Kindern - die höchsten Fallzahlen bei 14- und 15-jährigen Mädchen

'Vorläufigkeit' und 'Unverzüglichkeit' bei Inobhutnahmen - ein Drittel der Maßnahmen dauern länger als zwei Wochen

Zurück in die Familie, zur Pflegefamilie oder in ein Heim - Gründe für das Ende von Inobhutnahmen