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Forschungsverbund DJI

Geschichte

Erste amtliche Erhebungen für die Bereiche der Jugendfürsorge gehen auf das Jahr 1927 zurück. Im Zuge der Umsetzung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes (RJWG) wurde die Reichsjugendwohlfahrtsstatistik eingeführt, um die Tätigkeiten der neu eingerichteten Jugendämter reichseinheitlich zu dokumentieren. Der Schwerpunkt dieser ersten Jugendhilfestatistik lag auf den obrigkeitsstaatlichen, eingriffsorientierten Aufgaben der Behörden. So wurden z.B. die Tätigkeiten zum Schutz der Pflegekinder, die Mitwirkung im Vormundschaftswesen, bei der Schutzaufsicht, der Fürsorgeerziehung und der Jugendgerichtshilfe erhoben.

Die weitere Entwicklung der amtlichen Statistik ist zwar durch vielfältige Veränderungen geprägt, allerdings behält sie bis in die 1980er-Jahre ihren "Amtscharakter" im Sinne des Tätigkeitsnachweises der eingriffsorientierten Maßnahmen bei.[1] Dies führte dazu, dass die Jugendhilfestatistik gerade von Fachleuten immer wieder kritisiert und besonders für Planungszwecke für unbrauchbar erklärt wurde.

Auf diesem Hintergrund wurde Mitte der 1980er-Jahre unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden (AGOLJB) ein neues Erhebungskonzept entwickelt, das zwar immer noch die erbrachten Leistungen der Jugendbehörde nachweist, sich aber wesentlich stärker auf personen- und maßnahmenbezogene Merkmale sowie die familienunterstützenden Hilfen konzentriert. Dadurch sollte ein quantitatives Gesamtbild über die Jugendhilfe entstehen, das der Politik und der Administration eine Gegenüberstellung von Maßnahmen und Kosten erlaubt und gleichzeitig Hintergrundmaterial über soziodemografische und sozialpädagogische Zusammenhänge liefert.

Ursprünglich sollte die grundsätzliche Überarbeitung in das seinerzeit gültige "Gesetz über die Durchführung von Statistiken auf dem Gebiet der Sozialhilfe, der Kriegsopferfürsorge und der Jugendhilfe" vom 15. Januar 1963 (BGBl. I, 49) aufgenommen werden. Nachdem von der Bundesregierung unerwartet Anfang 1988 angekündigt wurde, dass die schon lange vorbereitete Reform des JWG nunmehr endgültig verabschiedet werden sollte, entschloss man sich, die Möglichkeit zu nutzen, die gesetzliche Neuregelung der Statistik in das Fachgesetz mit aufzunehmen.

Dieser Wandel der amtlichen Jugendhilfestatistik war auch möglich, da durch das Bundesstatistikgesetz (BStatG) vom 22.1.1987 (BGBl. I, 462, 565), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 9.6.2005 (BGBl. I, 1534), die datenschutzrechtlichen Bedingungen der amtlichen Statistik festgelegt wurden und zugleich der allgemeine Informationsauftrag der amtlichen Statistik für alle gesellschaftlichen Gruppen hervorgehoben wurde. Durch diese neuen Perspektiven können die Vorteile der amtlichen Statistik, die in der Rechtssicherheit und der Auskunftspflicht, in den Grundsätzen der Neutralität und Objektivität sowie in der allgemeinen - meist kostenfreien oder kostengünstigen - Zugänglichkeit und Nutzung liegen, besser umgesetzt werden.

Im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes (KICK) werden 2006 und 2007 die bisher umfangreichsten Änderungen der Erhebungsmerkmale der Kinder- und Jugendhilfestatistik seit 1990 vorgenommen. Die Änderungen beziehen sich auf zwei große Bereiche: Erstens die Erfassung der Kindertagesbetreuung in Einrichtungen und der Tagespflege sowie zweitens auf die Erfassung der Hilfen zur Erziehung, Hilfen für junge Volljährige und Eingliederungshilfen gemäß § 35 a SGB VIII. Die letzten Anpassungen wurden im Rahmen des Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) Ende 2008 vorgenommen.

 


[1] Vgl. Rauschenbach/Schilling 1997.